OPEC im Zugzwang

Die Ölpreise haben in den letzten Wochen ein ziemliches Auf und Ab hingelegt. Ob es die neuen weltweiten Lockdowns, der andauernde Wahlkrimi in den USA oder die Meldung zu einem wirksamen Impfstoff gegen Covid-19 war – die Ölbörsen reagierten mit erhöhter Volatilität und einem Hin und Her zwischen Aufwärtstrend und Abwärtsrutsch. In dieser Woche nun hat die OPEC das Potenzial, die Preise in die Höhe zu stützen.

 

Wirksames Mittel: OPEC-Kürzungen

Die Organisation erdölproduzierender Länder (OPEC) und ihre Partnerstaaten haben sich vor einigen Monaten freiwillige Kürzungen ihrer Ölproduktion auferlegt. Das als OPEC+ bekannte Bündnis hat damit recht erfolgreich dem heftigen Preiseinbruch im Frühjahr entgegengewirkt, da mit den Kürzungen ein starke Überversorgung verhindert werden konnte. Zu Beginn produzierte die OPEC+ täglich 9,7 Millionen Barrel weniger als sonst (1 Barrel entspricht etwa 159 Liter).

 

Nachdem sich die Corona-Lage im Sommer etwas zu entspannen schien, passte die OPEC+ diese Mengen an und kürzte nur noch 7,7 Millionen Barrel. Somit kamen täglich 2 Millionen Barrel mehr auf den Markt. Ursprünglich sollten ab Januar 2021 die Fördermengen erneut erhöht werden und dann nur noch 5,8 Millionen Barrel gekürzt werden. Doch mit der Verschärfung der Pandemie kommt dieser Plan ins Wanken.

 

Die OPEC+ muss auf einem schmalen Grat balancieren, denn Förderkürzungen sind zwar ihr wirksamstes Mittel gegen starke Preisschwankungen, doch die wirtschaftlichen Einbußen aus weniger Ölverkäufen treffen viele Mitgliedsstaaten in Zeiten von Corona besonders hart. Dementsprechend passt das Bündnis seine Strategie zur Zeit sehr engmaschig an die aktuelle Situation an und trifft sich monatlich zur Überwachung der Umsetzung und Wirksamkeit der Förderkürzungen.

 

Wichtige Entscheidungen

Ein solches Treffen steht nun morgen wieder auf der Agenda und schon seit Tagen und Wochen überschlagen sich die Stimmen am Ölmarkt, dass die OPEC+ ihre Strategie anpassen werde. Tatsächlich spricht viel dafür, dass die Fördermengen im neuen Jahr erst einmal nicht angehoben werden sondern für mindestens 3 Monate, vielleicht sogar ein halbes Jahr beibehalten werden.

 

Auch möglich wäre eine erneute Verschärfung der Kürzungen, um den Nachfragerückgang durch neue Lockdowns entgegenzutreten. Dafür spricht außerdem, dass das OPEC-Mitglied Libyen nach dem Ende des Bürgerkrieges seine Ölproduktion von unter 100.000 Barrel am Tag auf inzwischen wieder über 1,2 Millionen Barrel täglich gesteigert hat – Tendenz steigend. Bisher ist das Land von den Kürzungen ausgenommen gewesen. Auch dies könnte sich nun möglicherweise ändern.

 

Beim morgigen Treffen wird noch nichts entschieden, dafür muss die Vollversammlung am 1.Dezember abstimmen. Hinweise auf die Marschrichtung, in die es von nun an gehen soll, sind allerdings wahrscheinlich. Und so spitzen die Marktteilnehmer schon jetzt ihre Ohren, um mögliche Informationen und Andeutungen aus dem Kreis der OPEC+ zu bekommen. Sollte es morgen tatsächlich eine klare Empfehlung geben, die Kürzungen zu verschärfen, könnten die Preise erneut in die Höhe gehen.

 

 

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